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Keine Lust mehr auf ständiges Rabatt-Punkte-Sammeln? Kugelschreiber, Fußbälle oder Treueprämien haben Sie nun wirklich genug? Dann kaufen Sie clever und lassen sich einfach Ihr Geld zurückerstatten!…..So beginnt der Werbeslogan der Cent AG auf der Internetseite http://frei-karte.de

Und so soll es funktionieren, der Kunde kauft etwas und erhält später einen Teil des bezahlten Preises wieder zurück. Laut Firmenangaben sind derzeit 300 000 freiKarten im Umlauf.

Die freiKarte ist für den Einkauf im Ladengeschäft uninteressant. Lediglich ca. 1500 Geschäfte sind deutschlandweit mit angeschlossen, darunter sind aber auch rund 300 teils sehr bekannte Onlineshops wie schlecker.com und rossmann.de Die freiKarte ist allerdings nur online und nicht in Filialen der Anbieter einsetzbar. Die Payback Karte hat im Vergleich rund 8 000 Geschäfte und 40 Onlineshops als Akzeptanzstellen.

Kauft ein Kunde mit der freiKarte etwa bei einem angeschlossenen Onlineshop wie z.B. schlecker.com ein, erhält die Cent AG eine Provision für diesen Einkauf. Die Cent AG verspricht ihrerseits, nach dem Kauf, dem Kunden einen „großen“ Anteil des Kaufpreises zurückzuzahlen. Diese Umsatzbeteiligung liegt meist zwischen 10 und 50 Prozent. Der Käufer soll in Einzelfällen sogar 100 Prozent des Kaufpreises zurückerhalten. Bei rossmann.de ist derzeit eine Rückerstattung in Höhe von 25 Prozent vorgesehen.

Hier ist nun der erste Haken an der Sache, die „Umsatzbeteiligung“ wird über 10 Jahre verteilt und nicht etwa auf einmal ausgezahlt.

Ein Beispiel aus dem „Schnelltest“ von Stiftung Warentest:

Wer mit der freiKarte für 100 Euro bei rossmann.de einkauft, soll zehn Jahre nach seinem Einkauf insgesamt 25 Euro zurückerhalten haben. Vier bis acht Wochen nach dem Einkauf schreibt die Cent AG zunächst einmal nur 1 Prozent der Umsatzbeteiligung gut, also 25 Cent. Anschließend steigt die Umsatzbeteiligung von Jahr zu Jahr. Aber erst sieben Jahre nach dem Einkauf wird es allmählich interessant. Dann steht eine Auszahlung von 15 Prozent der Umsatzbeteiligung ins Haus (3,75 Euro). Nach dem neunten und zehnten Jahr soll der Kunde den größten Batzen der Umsatzbeteiligung erhalten: 27,5 Prozent, also jeweils 6,88 Euro. Es ist Sache des Kunden, ob er sich etwa ein kleines Guthaben zwischenzeitlich auszahlen lässt oder bis zum Ende der zehn Jahre wartet.

Die Karte gibt es nicht umsonst, man kann sie über http://frei-karte.de für fünf Euro zuzüglich 1,50 Euro Versandkosten kaufen. Sollte tatsächlich ein Guthaben mal auf das Girokonto ausbezahlt werden, dann kostet dieser „Abruf“ 50 Cent und wird vom Guthaben abgezogen.

Es ist höchst zweifelhaft, ob die Cent AG zukünftig diese versprochenen hohen Auszahlungen auch wirklich leisten kann. Die Cent AG erhält in der Regel nur eine Provision zwischen 3 und 7 Prozent vom Kaufpreis des Kundeneinkaufs. Wie will die Firma nach einem 100,- Euro-Einkauf dem Kunden in zehn Jahren 25 Euro zurückzahlen, wenn sie doch selbst nur 7 Euro verdient hat? Laut „Finanztest“ bleibt die Cent AG eine überzeugende Erklärung schuldig. Man wolle die Prognosen über das Wachstum des Systems einhalten, heißt es dazu. Mehr teilnehmende Händler, mehr Einkäufe mit der freiKarte, höhere Provisionen. Dann würden die Auszahlungsprognosen „kontinuierlich zuverlässiger“, so der derzeitige Vorstandsvorsitzende der Cent AG, Juan Ramos de la Rosa, gegenüber Finanztest.

Das Unternehmen hat sich natürlich für den Fall, dass die Prognosen nicht haltbar sind abgesichert. Die Prognosen werden dann einfach angepasst, notfalls eben nach unten. Im Kleingedruckten schreibt das Unternehmen, dass Ausschüttungen von Umsatzbeteiligungen vom Umsatz abhängig und nicht garantiert sind.

Nach Informationen von Finanztest hält sich die Cent AG zurzeit an ihre Prognosen. Die wirklich hohen Auszahlungen kommen aber erst ab dem Jahr 2011 auf die Cent AG zu.

Die Anbindung an das System kostet für Händler laut Cent AG einmalig 99 Euro. Viele Händler investieren aber noch viel mehr Geld in das System, z.B. in ein Kartenlesegerät oder den Kauf von freiKarten, um sie an ihre Kunden zu verschenken. Sollte die Cent AG in Zukunft von der Bildfläche verschwinden oder die Auszahlungen drastisch senken, bleiben die Händler auf einem sinnlos gewordenen Kundenbindungssystem sitzen und zieht sich zwangsläufig den Ärger der Kunden zu.

Die Verantwortlichen der Cent AG sind keine Unbekannten beim Geschäft mit der „Umsatzbeteiligung“. Die Cent AG ist ein Tochterunternehmen der Akzenta AG, die in der Vergangenheit ebenfalls dubiose Geschäfte mit „Umsatzbeteiligungen“ angeboten hat. Die Akzenta AG steht auf der Finanzliste-Warnliste. Die ehemaligen Akzenta-Vorstände Ulrich, Alexander und Christian C. sowie Oliver B. müssen sich derzeit wegen des Vorwurfs des gewerbsmäßigen Bandenbetrugs vor dem Landgericht München verantworten. Ulrich C., Alexander C. und Oliver B. saßen zuvor über ein Jahr in Untersuchungshaft. Alexander und Christian C. sowie Oliver B. waren in der Vergangenheit auch Vorstandsmitglieder der Cent AG. Oliver B. ist heute noch Inhaber der Internetseite www.frei-karte.de.

Nachtrag 28.01.20011: das Angebot Seite (frei-karte.de) existiert nicht mehr.

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